2026 wird das 100jährige Jubiläum gefeiert, denn am 11. Juni 1926 wurde die städtische Waldschule in der heute denkmalgeschützten Anlage umgeben von einer 200jährigen Mauer eingeweiht. In einem bunten Programm und verschiedenen Veranstaltungen wird die Geschichte und die Zukunft der Waldschule im Mittelpunkt stehen.
Blick zurück – zur reichhaltigen und wechselvollen Geschichte
Ab 1822 wurde das Gelände unterhalb des Lindenbergs als Nutzgartenfläche für die Versorgung des Hofstaates am Schloss Wilhelmshöhe und als Baumschule bewirtschaftet. Das Land Hessen hat in der Nachfolge 1926 das Gelände der Stadt Kassel zur Pacht angeboten, die dort eine städtische Waldschule – als Draußenschule – eingerichtet hat. Bereits damals wurden dort von Mai bis Oktober Schulklassen unterrichtet unter dem Aspekt der heilenden Wirkung frischer Luft, da bei vielen Kindern gerade aus Arbeiterfamilien Lungenkrankheiten verbreitet waren. Später wurde ein Teil des Geländes dem 1938 gegründeten Kleingartenverein verpachtet. Seit Mitte der 1980er Jahre bewirtschaftet der Waldhof, ein Demeter Saatgutbetrieb und Studienort unter der Trägerschaft des Rudolf-Steiner-Instituts, einen weiteren Teil. Erst 1960 hat die Stadt Kassel das Gelände erworben.
Bis 1933 waren sogenannte Freiluftschulen Ausdruck der allgemeinen Reformbewegungen und boten Erholung für Kinder, Sport und Naturerfahrung. Die Nationalsozialisten lösten diese auf und nutzten das Gelände in Kassel für Wehrsport- und Schießübungen. Nach dem Krieg waren verschiedene Einrichtungen wie ausgelagerte Ämter der Stadt, des Regierungspräsidiums sowie Klassen aus Hauswirtschaftsschulen und mehr in den Gebäuden der Waldschule untergebracht, da viele Gebäude nach der Zerstörung der Stadt erst wieder hergestellt werden mussten. Das große Gärtnerhaus (früher Unterkunft der Gärtnerfamilien) wurde dann abgerissen, ab den 1960er Jahren waren wieder Kinder die Hauptnutzer, beginnend mit Ferienspielen und Schulausflügen. Themen der Umwelt- und Waldpädagogik kamen erst Ende der 80er Jahre auf.
1999 gründete sich der Förderverein Waldschule e.V., nachdem der Kämmerer der Stadt Kassel wegen angespannter kommunaler Haushaltslage das Gelände verkaufen wollte. Amtsleiterin, Schulleiterinnen sowie Engagierte im Schulverwaltungsamt und Lehrkräfte verschiedener Schulen wollten dies nicht hinnehmen. Der damalige Leiter des Arbeitsamtes Herr Koch organisierte mit beruflichen Umschulungsmaßnahmen, Unterstützungen durch Handwerkskammer und Innungen mit Azubis und Materialspenden die denkmalgerechte Renovierung der maroden Gebäude ebenso wie notwendige Maßnahmen, um Auflagen wie Brandschutz (Einbau einer Zisterne) und ähnliches zu erfüllen. Ca. 200.000 Euro an Spenden und geldwerten Leistungen sowie zusätzliche ehrenamtliche Arbeitseinsätze haben damals die Waldschule “gerettet“ – auch als Denkmal. So wurden die heute 100 Jahre alten Holzpavillons in Bauhaus-Bauweise gepflegt und mit Biberschwanzziegeln neu gedeckt, das Fachwerk des über 200 Jahre alten Wirtschaftsgebäudes überhaupt wieder als Fachwerk freigelegt.
Seit dieser Zeit trägt die Stadt nur die minimalen Betriebskosten (Strom und Leerung der Abwassergrube) und finanziert für notwendige Arbeiten einige wenige Stunden einen Hausmeister einer benachbarten Schule.
Der einzige städtische außerschulische Lernort ist jetzt „wieder in die Jahre gekommen“ und sanierungsbedürftig, das Dach des Fachwerkgebäudes sollte ebenso wie die anderen Gebäude mit Biberschwanzziegeln denkmalgerecht gedeckt werden. Hierfür macht sich der Förderverein stark, hat eine Planung durch ein Architekturbüro beauftragt und führt Gespräche mit Stiftungen, etc
Blick nach vorne – Zukunft
Auch heute kommen von Mai bis Oktober Kinder aller Grundschulen und Förderschulen – in den Ferien auch Hortgruppen. Schon lange bietet eine Lehrerin – vom staatlichen Schulamt für zehn Stunden wöchentlich freigestellt – an zwei Vormittagen waldpädagogische Themen an. Seit diesem Schuljahr verstärken zwei weitere Lehrerinnen das Angebot. Das Amt für Schule und Bildung/Stadt Kassel hat 2023 einen umfangreichen Beteiligungsprozess gestartet, um die Waldschule weiterzuentwickeln hin zu einem Lernort für Zukunftskompetenzen. Als Modellkommune BNE wollte die Stadt Kassel ein Zeichen setzen, um ihren stadteigenen Lernort fit für die Zukunft zu machen. Ein neues Nutzungskonzept ist erstellt, Spender, Stiftungen und Sponsoren stehen bereit, dafür notwendige Maßnahmen extern zu unterstützen. Im Amt für Schule und Bildung ist eine Teilzeitpersonalstelle für die Weiterentwicklung der Waldschule als Baustein einer BNE-Bildungslandschaft in Kassel eingerichtet.
Auch der Förderverein beteiligt sich ehrenamtlich an neuen Formaten, um die Waldschule mehr zu öffnen, z.B. auch an Wochenenden und in den Ferien für Familien mit Kindern. Die Belegung durch die Kasseler Grundschulen erfolgt in der Regel nur an Wochentagen von 9 bis 12 Uhr. Mit Unterstützung des Fördervereins fand unter Beteiligung internationaler Künstler bereis zweimal ein „Natur- und Kulturfestival“ in den Sommerferien statt, Offene Familiensamstage, Geselliges wie Yoga, Kochen und Singen oder ein Mitsommerfest wurden durch Vereinsmitglieder und ehrenamtlich Engagierte aus den beiden Stadtteilen Wilhelmshöhe und Kirchditmold umgesetzt. Die Stadt Kassel hat mehrere Projekttage zur Klimabildung und Fachtage veranstaltet.
All das zeigt: Die Waldschule hat viel Potential. Ziel ist es, das Bestehende behutsam und bedarfsgerecht auszubauen, ganzjährig nutzbar zu machen und ein vielfältiges Bildungsangebot für verschiedene Nutzergruppen zu realisieren. Der Förderverein steht bereit, die Stadt bei dieser Aufgabe mit viel Idealismus und Engagement im Ehrenamt zu unterstützen. Doch es braucht auch mehr städtischen Einsatz – finanziell und personell.
